Das Metabolische Syndrom (oder spielen Sie auch schon das „Tödliche Quartett“?)
Das metabolische Syndrom ist eine Kombination aus vier Krankheitszuständen:
-  Übergewicht – v. a. im Bauchbereich
- Bluthochdruck
- Krankhaft erhöhte Blutfette – v. a. Cholesterin
- Beginnende Blutzuckerkrankheit.
Dieses tödliche Quartett führt häufig zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Demenz und Krebs.
Ursache dieser Gesundheitsstörung ist zunehmendes Übergewicht, verbunden mit mangelnder körperlicher Bewegung. Man könnte auch sagen, dass viele von uns an einer „Energievergiftung“ leiden – zuviel Essen zu wenig Bewegung!
Um das Übel an der Wurzel zu packen, erhält man oft folgende lapidare Empfehlung: „Nehmen Sie ab!“ – dann werden die Unglücklichen entlassen – kein Wunder, dass sich nichts ändert.
Dabei sollte vermittelt werden, dass eine Gewichtsreduktion eine Änderung des Lebensrhythmus beinhalten muss, d. h. eine Änderung des Lebensstils auf Dauer. Dies ist eines der schwierigsten Dinge, die man von einem Patienten verlangen kann und das funktioniert NUR, wenn folgende Dinge beachtet werden:
- Â Die Seele muss im Gleichgewicht sein!
- Der Wunsch/das Ziel muss aufrechterhalten werden!
- Der Plan zur Gewichtsreduktion MUSSÂ individuell angepasst sein!
- Mögliche Fallstricke müssen benannt werden.
- Welche Hilfen stehen dem Patient zur Verfügung?
Um das Unmögliche möglich zu machen, muss der Patient geschult und unterstützt werden. Das erfordert Einfühlungsvermögen und Verständnis.
Möge das Kunststück gelingen.
Borreliose – Deutscher Internistenkongress 2010
Am beeindruckensten war der Vortrag von PD Dr. Dieter Hassler über das Thema Borreliose. Er stellte in knapp 30 Minuten das Thema übersichtlich und verständlich dar. Kollege Hassler ist Landarzt in Kraichtal in der BRD und forscht auf dem Gebiet der Borreliose. Er hat sein Dorf mit ca. 3900 Einwohnern gescreent, über zwanzig Jahre alle Einwohner nachverfolgt und erfolgreich therapiert. Sein Dorf ist de facto ohne Borreliosekranken.  Ich berichte von seinen Erkenntnissen.
- Die Borreliose ist eine Infektionserkrankung die ausschliesslich durch Zecken übertragen wird.
- Die Borreliose heilt NIE spontan aus.
- Die Borreliose verläuft in Stadien (Erythema migrans = Wanderröte, Ausbreitung im Blut, Chronisches Stadium).
- Das Erythema migrans tritt frühestens 7 Tage nach Zeckenbefall auf. Alles davor ist eine lokale entzündliche Reaktion.
- Die Therapie erfolgt durch Antibiotika.
Das häufigste Problem, das Patienten verunsichert, ist die chronische Form der Borreliose. Sie ist gekennzeichnet durchen einen positiver Laborbefund (Borrelien IgM negativ und Borrelien IgG positiv). Zum Nachweis einer Borreliose fehlt nun noch ein Immuno-Blot auf Borrelien-IgG. Wenn dieser positiv ist, ist eine Borreliose bewiesen, so Hassler. Therapiert soll erst werden, wenn Krankheitssymptome (Müdigkeit, nächtliches Schwitzen, Gelenk- und Muskelschmerzen) auftreten, da die Borrelien zu diesem Zeitpunkt besser zu vernichten sind. Nach erfolgreicher Therapie schwinden die Symptome (über Monate) und die IgG Antikörper (über Monate und Jahre).
Die Wahl des Antibiotikums richtet sich nach dem Stadium der Borreliose und dem Patienten (Erwachsener, Kind, etwaige Allergien). Daher finden Sie hier keine Kochrezepte zur Behandlung, die nur in Händen eines Arztes liegen kann. Der Theapieerfolg bei chronischer Borreliose liegt – nach Kollegen Hassler – bei 80 % nach dem ersten Antibiotikazyklus, bei über 90 % nach dem zweiten Zyklus. Selten ist ein dritter Zyklus nötig.
Wichtig für Patienten, die einen Zecken auf der Haut finden: Den Zecken nicht mit den Fingern oder mit der Zeckenfasszange quetschen (Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Borrelien in die Wunde gedrückt werden.) Die Zecke sollte vorsichtig von der Haut abgehebelt werden. Dazu eignet sich gut ein spitzzulaufendes Skalpell (Nummer 11).
Literatur und Quellenangabe: Link
Das Herz und seine Erkrankungen: Grundlagen
Das Herz ist eine Erfolgsgeschichte der Evolution. Es arbeitet über 100 Jahre lang und leistet Unglaubliches. Es schlägt in Ruhe  60-70 Mal pro Minute und pumpt Blut durch den menschlichen Körper. Pro Minute befördert das Herz  5 Liter Blut (pro Stunde 300 Liter, pro Tag 7.200 Liter). Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 85 Jahren sind das enorme 220 Millionen Liter Blut.
Das Herz  darf auch nicht stehen bleiben - versiegt der Blutfluss zum Gehirn nur zehn Sekunden lang, wird der Mensch bewußtlos. Ausserdem muß sich das Herz an Belastungen anpassen können und fallweise mehr Blut durch den Körper pumpen. Zum Beispiel bei Sport, Ärger oder Kampfsituationen.
Damit alle Anforderungen erfüllt werden können, hat die Evolution das Herz ganz einfach entwickelt. Es hat eigentlich nur zwei Aufaben: Es muß sich füllen und auspumpen – füllen – auspumpen – usw. Mehr tut es nicht – ein ganzes Leben lang.
Damit dieser grundlegende Kreislauf erfüllt werden kann braucht das Herz folgende Teile, die mit einem Motor gut vergleichbar sind:
- Herzklappen = Ventile: Ihre Aufgabe ist das Blut in die korrekte Richtung zu leiten.
- Koronararterien = Benzinversorgung: Diese ”Schläuche” versorgen das Herz selbst mit Blut, Nährstoffen und Sauerstoff.
- Herzmuskel = Motor: Der Herzmuskel ist hohl. Er zieht sich zusammen und pumpt das Blut in den Kreislauf, um sich anschließend wieder zu füllen.
- Herzrhythmus = Zündung: Der Rhythmus ist der Taktgeber wie schnell das Herz schlagen soll und ist zuständig, dass eine Synchronität gegeben ist.
- Pericard = Hülle: Das Pericard schützt das Herz und senkt die Reibung, die sonst entstehen würde.
Im Lauf des Lebens können nun die einzelnen Teile des Herzens erkranken. Die Aufgabe des Arztes ist die entsprechende Störung zu finden und dem Patienten eine optimale Therapie der Erkrankung  anzubieten. Da jeder Mensch andere Ziele, Bedürfnisse, Wünsche, Ängste und Lebensansichten hat und die Ausgangsbedingungen (Alter, Begleiterkrankungen, eingenommene Medikamente, etc.) unterschiedlich sind, können die angebotenen Lösungen nur individuell sein.
Rasilez – Eine neue Option für die Therapie des Blutdrucks
Seit einiger Zeit  gibt es auf dem weiten Markt der Pharmaindustrie ein neues Medikament für die Therapie des Blutdrucks.
Rasilez  gehört in die Gruppe der Renin-Antagonisten und ist tatsächlich eine Ergänzung der Therapieoptionen. Das Wirkprinzip ist schon viele Jahre bekannt, nur war es bis dato nicht möglich vernüftige Arzneimittel zur Reninblockade herzustellen.
Mittlerweile habe ich selbst Patienten auf dieses Medikament eingestellt und kann über Erfahrungen berichten:
- Eine Dame (ca. 65 Jahre alt) konnte mit sämtlichen anderen Medikamenten nicht eingestellt werden. Immer Blutdrucke jenseits von 180 mmHg systolisch. Nach Zusatz von Rasilez waren die Werte auf 90 mmHg syst. gesunken und die Frau war präkollaptisch. Daraus läßt sich die Wirksamkeit erkennen, aber auch die Vorsicht, die zu walten hat, wenn diese neue Substanz verwendet wird.
- Ein Mann (ca. 35 Jahre alt) mit einer breiten Unverträglichkeit von Medikamenten, bei allergischer Neigung, spricht gut auf Aliskiren an und verträgt das Medikament bis zu 1×150 mg. Bei voller Dosis kommt es zum Anschwellen der Nasenschleimhäute (ähnlich wie bei Heuschnupfen).
Meine Meinung: Ein wirksames Medikament, dass das Arsenal der Blutdruckmedikamente erweitert. Es muss mit dem Einsatz sorgsam umgegangen werden und v. a. müssen noch Erfahrungen gesammelt werden. Insbesondere in der Verträglichkeit und im Wechselspiel mit sonstigen begleitenden Medikamenten. Somit ist Rasilez für mich – derzeit – ein Zeit- bis Drittlinien Medikament in der medikamentösen Therapie des arteriellen Blutdrucks.
Zuletzt darf man nicht vergessen, dass man den Blutdruck auch ohne Medikamente senken kann:Â Â Blogeintrag
Übergewicht: Wenn man das tut, was man immer tut, hat man das, was man immer hat
Es gibt so viele Diäten und Ernährungsvorschläge um Gewicht zu reduzieren, daß man damit Wände tapezieren könnte. Die meisten Menschen, die nicht das Glück haben, ein ideales Körpergewicht zu haben, können davon ein Lied singen.
Eine Diät ist eine spezielle Art der Ernährung, sie muss nicht immer mit Gewichtsreduktion zu tun haben. Spezielle Krankheiten erfordern spezielle Ernährungsformen. Z. B. wird bei Zöliakie eine Glutenfreie Kost empfohlen.
Aber mit Diäten wird viel Schindluder getrieben. Auch ich könnte mir ganz neue Diäten einfallen lassen: Schnitzeldiät oder Schokoladediät. Aber die Sinnhaftigkeit wäre zu hinterfragen.
Meist wird mit einer Diät eine Ernährungsform gemeint, die zur Verminderung des Körpergewichts dient. Viele Patienten haben, die eine oder andere Diät ausprobiert und Gewicht verloren, um dann wieder zuzunehmen und nach kurzer Zeit wieder ähnlich schwer oder sogar schwerer zu sein “Jo-Jo-Effekt“.
Letztendlich ist eine Diät eine Umstellung des Lebensstils auf Zeit. Während dieser Umstellung verliert man Kilos und ist glücklich darüber. Man vergisst aber, dass man nach Ende der Diät, wieder in den alten Lebensrhythmus verfällt und – nach unterschiedlich langer Zeit – wieder so ist wie man vor der Lebensstiländerung war.
Wenn man das tut, was man immer tut, hat man das, was man immer hat.
Zitat: unbekannt
Das heißt um Gewicht auf Dauer zu reduzieren benötigt man eine Lebensstiländerung auf Dauer. Erfahrungsgemäß nimmt ein Rhythmuswechsel 1-3 Jahre in Anspruch.
Ein konkretes Beispiel:
Für eine Gewichtsreduktion von 10 kg empfehle ich sich ein Jahr Zeit zu nehmen. 10 Monate für die Gewichtsreduktion und zwei Monate um sich nach Rückfällen in den alten Lebensrhythmus wieder neu zu motivieren.
Eine Änderung des Lebenrhythmus ist so ziemlich das Schwierigste, das ein Arzt von seinem Patient verlangen kann. Der Gewinn ist immens: Steigerung des Selbstwertgefühls, der Gesundheit, bessere Blutdruck-, Blutzucker- und Cholesterinwerte. Möge das Kunststück gelingen.
Kann man den Blutdruck ohne Medikamente senken?
Bevor man den arteriellen Blutdruck therapieren will, muss folgendes erledigt werden: Zunächst muss die Diagnose gesichert und eventuelle zusätzliche Untersuchungen veranlasst werden.
Dann stellt sich die Frage der Therapie. Meist wird mit Medikamenten behandelt. Viele Patienten möchten jedoch keine oder möglichst wenige “Pulver” schlucken.

Gibt es Alternativen? Ja – Aber nicht jede Therapieform ist für jeden Patienten möglich. Jede Therapie oder Therapieänderung muss mit dem Arzt besprochen werden.
Um Abzuschätzen wie gross das Einsparungspotential ist, dient folgender Anhalt: ein Antihypertensivum kann den Blutdruck etwa um 10-20 mmHg senken.
Nicht-medikamentöse Therapieformen sind Eingriffe in den Lebensstil:
minus 5-20 mmHg: Gewichtsreduktion von 10 kg
minus 8-14 mmHg: Ernährungsform (Obst, Salat, Gemüse, Fisch, wenig Fett, wenig gesättigte Fettsäuren)
minus 4-9 mmHg: Sport (30 min pro Tag)
minus 2-8 mmHg: weniger Salz (weniger 5-6 g/Tag)
minus 2-4 mmHg: Reduktion eines erhöhtes Alkoholkonsums  (1-2/8 pro Tag)
Quelle: Journal für Hypertonie; 11(1), 7-11, pdf
Jede Therapie hat aber einen Preis. Die nicht-medikamentösen Therapieformen setzen eine sehr hohe Disziplin voraus und wirken nicht sofort. Oft müssen als Überbrückung blutdrucksenkende Medikamente verabreicht werden.
Der Lohn für die Lebensstiländerungen ist, dass Medikamente abgesetzt werden können. Erfahrungsgemäß ist es für übergewichtige Patienten am leichtesten den Blutdruck durch Lebensstiländerung zu senken.
Bild: pills von rodrigo senna, flickr