Blog - Juli 2011

Borreliose – Deutscher Internistenkongress 2010

Am beeindruckensten war der Vortrag von PD Dr. Dieter Hassler über das Thema Borreliose. Er stellte in knapp 30 Minuten das Thema übersichtlich und verständlich dar. Kollege Hassler ist Landarzt in Kraichtal in der BRD und forscht auf dem Gebiet der Borreliose. Er hat sein Dorf mit ca. 3900 Einwohnern gescreent, über zwanzig Jahre alle Einwohner nachverfolgt und erfolgreich therapiert. Sein Dorf ist de facto ohne Borreliosekranken.  Ich berichte von seinen Erkenntnissen.

  • Die Borreliose ist eine Infektionserkrankung die ausschliesslich durch Zecken übertragen wird.
  • Die Borreliose heilt NIE spontan aus.
  • Die Borreliose verläuft in Stadien (Erythema migrans = Wanderröte, Ausbreitung im Blut, Chronisches Stadium).
  • Das Erythema migrans tritt frühestens 7 Tage nach Zeckenbefall auf. Alles davor ist eine lokale entzündliche Reaktion.
  • Die Therapie erfolgt durch Antibiotika.

Das häufigste Problem, das Patienten verunsichert, ist die chronische Form der Borreliose. Sie ist gekennzeichnet durchen einen positiver Laborbefund (Borrelien IgM negativ und Borrelien IgG positiv). Zum Nachweis einer Borreliose fehlt nun noch ein Immuno-Blot auf Borrelien-IgG. Wenn dieser positiv ist, ist eine Borreliose bewiesen, so Hassler. Therapiert soll erst werden, wenn Krankheitssymptome (Müdigkeit, nächtliches Schwitzen, Gelenk- und Muskelschmerzen) auftreten, da die Borrelien zu diesem Zeitpunkt besser zu vernichten sind. Nach erfolgreicher Therapie schwinden die Symptome (über Monate) und die IgG Antikörper (über Monate und Jahre).

Die Wahl des Antibiotikums richtet sich nach dem Stadium der Borreliose und dem Patienten (Erwachsener, Kind, etwaige Allergien). Daher finden Sie hier keine Kochrezepte zur Behandlung, die nur in Händen eines Arztes liegen kann. Der Theapieerfolg bei chronischer Borreliose liegt – nach Kollegen Hassler – bei 80 % nach dem ersten Antibiotikazyklus, bei über 90 % nach dem zweiten Zyklus. Selten ist ein dritter Zyklus nötig.

Wichtig für Patienten, die einen Zecken auf der Haut finden: Den Zecken nicht mit den Fingern oder mit der Zeckenfasszange quetschen (Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Borrelien in die Wunde gedrückt werden.) Die Zecke sollte vorsichtig von der Haut abgehebelt werden. Dazu eignet sich gut ein spitzzulaufendes Skalpell (Nummer 11).

Literatur und Quellenangabe: Link